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  • Michael Haas

Mitsu Die Findelkatze aus Marokko Teil 1

Beginn einer Freundschaft


1986 ist mir in Marokko Mitsu über den Weg gelaufen. Oder eigentlich ist sie mir über den Weg gekullert, weil sie getreten wurde von einem ungefähr zehnjährigen Jungen. „Was fällt dir ein“, herrschte ich ihn an. „Ich werde dir auch gleich einen Tritt versetzen.“ Ich drohte ihm in Casablanca.


Ich war nach Casablanca gekommen wie junge Menschen irgendwo hinkommen: Aus einer Laune heraus. Der Film (Casablanca), in dem Humphrey Bogart die Hauptrolle spielte, hatte es mir angetan. Ich wollte sehen, ob die Stadt an der marokkanischen Westküste so war, wie in diesem Klassiker. Immerhin habe ich während dieser Reise auch Fes (ohne die Katze) und Marrakesch kennen gelernt und fotografiert und den Jebel Toubkal im Hohen Atlas bestiegen (mit der Katze). Wir haben zusammen Granada besucht und etliche Grenzen überquert, denn die gab es 1986 noch innerhalb von Europa. Casablanca war nicht wie im Film. Die Stadt hatte wenig von dem alten Flair behalten, in dem Vichy gegen das Freie Frankreich und Rick (Bogart) gegen die Nazis kämpften. Aber “Rick ́s Café” gab es noch.


Das Wichtigste, was mir in dieser Stadt passierte, aber war die Begegnung mit der kleinen Katze, die unsanft in mein Leben gekickt worden war. Als ich den Jungen verjagt hatte, nahm ich Mitsu mit Daumen und Zeigefinger am Kragen und hob sie vorsichtig auf den Tisch, vor dem ich saß. Ich überlegte, wie ich sie nennen sollte. Sie lief von einer Ecke der Platte zur anderen. Mitsu, sagte ich. Dabei blieb es, solange wir zusammen waren.


„Wir sind verantwortlich für das, was wir uns vertraut gemacht haben“, sagt der Fuchs zum Kleinen Prinzen in der Geschichte von Saint Exupéry. Und so empfand ich das auch bei Mitsu. Denn ich war – in Casablanca, nicht weit von Ricks Café, ein paar Blocks vom Hafen – dabei Mitsus Vertrauen zu gewinnen. Rot – weiß gestreift. Eine verwilderte Katze, deren Mutter ich nicht finden konnte. Vielleicht drei Wochen alt, schätzte ich. Ich bestellte ein Glas heiße Milch. Ein wenig davon schüttete ich in die Untertasse meines Kaffees. Mitsu trank. Die kleine Zunge schnellte nach unten, bildete einen kleinen Löffel, zog sich zurück und schnellte wieder vor. Bis der letzte Tropfen in dem Mäulchen verschwunden war. Mitsu, sagte ich. Mitsu spazierte zum Rand der Tischplatte, streckte sich, sprang ab und landete auf meinen Oberschenkeln. Rhythmisch zogen sich ihre Krallen auf dem Stoff meiner Jeans zusammen.


Ich war mit einer Ente unterwegs, einem kleinen schwachmotorigen Citroen, mit hohen Reifen und einem Gummidach, das leicht zu öffnen war. Mit mir war eine analoge Kameraausrüstung, auf dem Dach ein Surfbrett für den Wind. Der Kunststoffmast war mir in den Wellen von Gibraltar zerbrochen. Ich hatte ihn durch einen Aluminiummast ersetzt. Wir saßen noch eine Weile. Es wurde dämmrig. Ich bestellte einen zweiten café au lait, die Milch vom Kaffee getrennt, damit ich Mitsu nachschenken konnte. Die Sonne versank mit kitschig schönen Farbenspielen im Meer. Als Mitsu getrunken hatte, nahm sie wieder auf meinen Oberschenkeln Platz, spreizte wieder die Krallen, schnurrte und schlief ein. Es wurde dunkel. Die Stadt zündete ihre Lichter an.


„Bitte bezahlen“, sagte ich auf Französisch zu einer schlanken Bedienung. Als ich sie aufhob, erwachte die Katze. Ich legte sie auf meinen linken Arm, den ich waagrecht hielt. Interessiert, den Kopf drehend, verfolgte Mitsu unseren Weg zu meinem dunkelgrünen Wagen. Wir fuhren zu der preisgünstigen Herberge, in der ich untergekommen war. Mitsu spazierte durch das Zimmer, den flauschigen Schwanz stolz wie einen Fahnenmast erhoben. „Fühl dich hier wie zu Hause“, scherzte ich.

Die schöne Tagesdecke, die über das Bett gelegt war, reichte bis zum Boden. Mitsu kletterte daran hinauf, benutzte ihre Krallen wie Steigeisen, zog und schob und saß wenig später oben. „Nein“, sagte ich. „Bei aller Liebe, das geht zu weit. Du kannst mit mir das Zimmer teilen, das Auto, auch das Essen. Nicht aber die Teller und Tassen und auch nicht das Bett.“ Ich setzte Mitsu auf den Fußboden. Sie kletterte zurück aufs Bett. Das Ganze wiederholte sich einige Male. Dann sperrte ich sie ins Bad. Mitsu begann kläglich zu miauen.

Ich liebe Katzen

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